Heute gab es bei uns in der Firma einen kleinen gefiederten Besucher, dessen Tag leider mit einem ordentlichen Schrecken begann. Ein wunderschöner Vogel war gegen eines unserer Fenster geflogen und lag anschließend ganz benommen im Gras.
Als ich ihn entdeckte, tat er mir unendlich leid. So ein zartes kleines Geschöpf, völlig hilflos und offensichtlich noch ganz mitgenommen von dem Aufprall. Behutsam nahm ich ihn auf und legte ihn an ein geschütztes, schattiges Plätzchen unter die Hortensien. Dort konnte er sich in Ruhe erholen.
Natürlich ließ mir der kleine Kerl keine Ruhe. Immer wieder schaute ich nach ihm und hoffte, dass er sich von seinem Schreck erholen würde.
Bei der Gelegenheit fand ich auch heraus, um welchen Vogel es sich handelte: einen Distelfink, auch Stieglitz genannt. Mit seiner leuchtend roten Gesichtsmaske, dem schwarz-weißen Köpfchen und den auffällig gelben Flügelbinden ist er wirklich ein wunderschöner kleiner Vogel. Aus der Nähe betrachtet ist sein Gefieder noch viel beeindruckender als aus der Ferne.
Am Nachmittag kam dann die schönste Überraschung: Mein kleiner Patient war verschwunden!
Natürlich kann ich nicht mit Sicherheit sagen, was aus ihm geworden ist. Aber da sich zum Glück keine Katzen in der Nähe aufhielten, hoffe ich sehr, dass er wieder zu Kräften gekommen ist und davongeflogen ist.
Vielleicht sitzt er inzwischen längst wieder irgendwo in einem Baum, zwitschert fröhlich vor sich hin und hat seinen unfreiwilligen Zwischenstopp bei uns schon vergessen.
