Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als aus einem Berg wunderbar weicher Wollfasern mit den eigenen Händen ein ganz individuelles Garn entstehen zu lassen. Zu sehen, wie sich Farben miteinander verbinden, Fasern zu einem Faden werden und schließlich ein fertiger Wollstrang entsteht, fasziniert mich immer wieder aufs Neue.
Am Anfang standen die weichen Merinofasern, die ich auf meiner Kardiermaschine von Ashford von Hand kardiert habe. Dabei werden die Fasern aufgelockert, miteinander vermischt und zu einem luftigen Batt verarbeitet. Besonders spannend finde ich diesen Arbeitsschritt, denn hier beginnt bereits das Spiel mit den Farben. Durch das Kardieren verbinden sich die verschiedenen Nuancen miteinander, ohne dass ihre Eigenständigkeit vollständig verloren geht.
Anschließend habe ich die vorbereiteten Fasern versponnen und die entstandenen Fäden anschließend zweifach verzwirnt. Dabei sind drei ganz unterschiedliche Stränge entstanden. Mal ist der Faden etwas feiner, mal ein wenig kräftiger, mal wirken die Farben stärker miteinander vermischt, während an anderen Stellen einzelne Nuancen deutlicher hervortreten.
Genau diese kleinen Unterschiede machen handgesponnene Wolle für mich so besonders. Obwohl alle drei Stränge aus 100% Merinowolle bestehen und farblich wunderbar miteinander harmonieren, hat jeder seinen ganz eigenen Charakter.
Strang 1 : 100% Merinowolle, 100g / 220m
Strang 2: 100% Merinowolle, 90g / 160m
Strang 3: 100% Merinowolle, 55g / 115m
Merinowolle gehört für mich zu den besonders schönen Fasern zum Spinnen und Stricken. Sie fühlt sich wunderbar weich an, ist angenehm auf der Haut und lässt sich zu herrlich kuscheligen Garnen verarbeiten. Bei handgesponnener Wolle kommt noch etwas hinzu, das industriell hergestellte Garne in dieser Form kaum bieten können: ihre ganz eigene Lebendigkeit.
Der Faden ist nicht überall vollkommen gleichmäßig, die Farben verteilen sich immer wieder neu und beim Verstricken entsteht dadurch ein ganz individuelles Maschenbild.
Ich könnte mir aus dieser Wolle beispielsweise eine weiche Mütze, einen kuscheligen Loop oder andere kleine Lieblingsstücke vorstellen, bei denen die schönen Farbnuancen besonders gut zur Geltung kommen. Natürlich könnte man einen solchen Einzelstrang auch wunderbar mit neutralen Unifarben kombinieren.
Was ich am Handspinnen so liebe, ist die Freiheit, etwas vollkommen Eigenes entstehen zu lassen. Von der Auswahl und Mischung der Fasern über das Kardieren bis zum fertigen Garn liegt jeder einzelne Arbeitsschritt in meinen Händen.
Natürlich braucht das seine Zeit. Aber gerade darin liegt für mich ein großer Teil der Freude. Es ist ein wunderbarer Ausgleich, sich ganz auf die Fasern, die Farben und den gleichmäßigen Rhythmus des Spinnrades zu konzentrieren. Und am Ende hält man etwas in den Händen, das es so in keinem Geschäft zu kaufen gibt.
Drei Stränge, unzählige Farbnuancen und viele Stunden liebevoller Handarbeit – ein kleines Stück Spinnglück, von der ersten Faser bis zum letzten Meter Garn.
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